- Rathaus & Politik
- Leben & Wohnen
- Freizeit & Tourismus
Nadlerhaus
Denkmalgeschütztes Nadlerhaus soll saniert werden
Gemeindevertretung Schmitten macht den Weg frei
NIEDERREIFENBERG Mit der Sitzung der Gemeindevertretung am 4. Februar 2026 wurde ein entscheidender Meilenstein in einem Projekt gesetzt, das in den vergangenen drei Jahren intensiv bearbeitet wurde: Die Sanierung und zukunftsgerichtete Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Hauptstraße 4 in Niederreifenberg – des sogenannten Nadlerhaus Wagner (auch bekannt als Mühlbachhaus). Dieser Beschluss war das Ergebnis eines langen Prozesses mit vielen Beratungen, Informationsschritten, fachlichen Gutachten und Verhandlungen mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden.

Nutzungskonzept Erdgeschoss, Variante 2, Maßstab 1:100. | Grafik: Architekturbüro Dipl.-Ing. Stephan Dreier, Architekten in der Baudenkmalpflege
Ausgangssituation: historisch wertvoll, aber in Schwierigkeiten
Das Gebäude wurde im Zuge von Untersuchungen im Jahr 2024 dendrochronologisch datiert: Die historische Holzkonstruktion geht auf 1785 – 1787 zurück, was die Bedeutung des Hauses als eines der ältesten Bauwerke in Niederreifenberg unterstreicht. Die Fachwerksubstanz, originale Innenstrukturen und die historische Nutzung machen das Gebäude zu einem besonderen Zeugnis der Nadlerhandwerks- und Industriegeschichte in unserer Region. Mittlerweile ist klar: Das Nadlerhaus in Niederreifenberg ist das letzte seiner Art in ganz Deutschland.
Gleichzeitig ist das Haus in Privatbesitz über Jahrzehnte verfallen und befindet sich seit vielen Jahren in einem desolaten, renovierungsbedürftigen Zustand, was sowohl das Ortsbild in Niederreifenberg erheblich beeinträchtigt als auch die Notwendigkeit einer Entscheidung verstärkt hat. Ohne kommunales Engagement, planerische Grundlagen und finanzielle Förderung wäre eine Lösung, an dieser exponierten Lage in Niederreifenberg, nicht möglich.
Fachgutachten, Kosten und Nutzungskonzept
Im Rahmen der vorbereitenden Untersuchungen wurde vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege ein Fachgutachten in Auftrag gegeben. Ein auf die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden spezialisiertes Architekturbüro führte dendrochronologische und bauliche Untersuchungen durch, die unter anderem ergaben: Die reinen Sanierungskosten betragen aktuell rund 625.000 €, zuzüglich weiterer Kosten für funktionale Ergänzungsgebäude von rund 198.200 €.
Die Sanierung des Denkmals für eine gemeinwohlorientierte, barrierefreie Nutzung ist mit Förderprogrammen wie dem Dorfentwicklungsprogramm möglich, das Förderquoten von bis zu 75 % der Nettokosten ermöglicht. Der notwendige Eigenanteil der Gemeinde soll ausschließlich durch Spenden aufgebracht werden.
Parallel wurden Gespräche mit dem Kreis und dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege geführt, die bereits erste Fördermittelzusagen ermöglicht haben. Bislang sind 140.000 € vom Hochtaunuskreis, 10.000 € von der Mainova sowie 50.000 € vom Hessischen Landesamt für Denkmalpflege sowie 10.000 € zu erwarteten Spenden aus der Bürgerschaft eingegangen und decken heute bereits einen signifikanten Teil der für eine Sanierung benötigten Eigenmittel. Aufgrund der Bedeutung des Objekts hat das Landesamt für Denkmalpflege schriftlich zugesagt, „die Mittel in Höhe von 50.000 € zu erhöhen, sollte sich im Finanzierungsplan am Ende weiterhin eine Lücke ergeben, die nicht geschlossen werden kann“.
Die politische Entscheidung im Februar 2026
Nach vertiefender Beratung, Abschluss fachlicher Klärungen, Abwägung der Chancen und Risiken und insbesondere einer verbindlichen Vereinbarung mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, dass die Gemeinde Schmitten vor einem Risiko absichert, hat die Gemeindevertretung am 4. Februar 2026 dem weiteren Vorgehen zugestimmt. Mit einer klaren Mehrheit wurde beschlossen, den Prozess aktiv fortzuführen:
- Den Erwerb des Gebäudes für einen symbolischen Euro zu vollziehen zuzüglich der anfallenden Grunderwerbskosten. Die Ablösung der Grundschuld im Kaufvertrag beläuft sich auf 15.000,00 € zuzüglich Notarkosten.
- Als Eigentümer kann die Gemeinde nun Förderanträge stellen. Neben der Förderung als Maßnahme im Dorfentwicklungsprogramm, soll zunächst die Möglichkeit finanziellen Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz geprüft werden.
- Die noch fehlenden, notwendigen Eigenmittel der Gemeinde sollen über Spenden eingeworben werden.
- Parallel soll die konkrete Planung zur denkmalgerechten Sanierung in Abhängigkeit von Optionen für die Nachnutzung im Laufe des Jahres nochmals Gegenstand der Beratungen in der Gemeindevertretung sein.
Warum dieses Projekt wichtig ist?


Oben: Nutzungskonzept, Ansicht von Osten (Straßenseite),Maßstab 1:100. Unten: Nutzungskonzept, Ansicht von Westen(Gartenseite), Maßstab 1:100. | Grafik: Architekturbüro Dipl.-Ing. Stephan Dreier, Architekten in der Baudenkmalpflege
- Kulturelles Erbe: Das Nadlerhaus steht beispielhaft für Handwerks- und Industriekultur sowie Familiengeschichte in unserer Gemeinde und ist deutschlandweit einmalig.
- Ortsbild und Dorfentwicklung: Mit dem Projekt kann eine städtebauliche Aufwertung des Kernbereichs in Niederreifenberg erreicht werden.
- Gemeinschaftlicher Raum: Eine behutsame Nutzung – z. B. als Museum, Treffpunkt oder Ort für kleine Veranstaltungen – kann den sozialen Zusammenhalt und die Kultur fördern.
Mit dem gemeinsamen Einsatz von Verwaltung, Gemeindevertretung und engagierten Bürgerinnen und Bürgern, vor allem auch aus den Geschichtsvereinen, wurde ein Projekt in Bewegung gesetzt, das weit über die Sanierung eines Gebäudes hinausgeht: Es ist ein Beitrag zum Erhalt unserer Geschichte für zukünftige Generationen.