Geschichte

Um den Gesamteindruck der Großgemeinde Schmitten etwas abzurunden und das Bild zu vervollständigen, wollen wir hier einen geschichtlichen Überblick geben. Er soll nicht die einzelnen Details wiedererkennen lassen, sondern lediglich den geschichtlichen Werdegang dieser Gemeinde in etwas gröberen Zügen wiedergeben. Da die einzelnen Ortsteile von Schmitten selbständige Gemeinde waren, haben sie auch größtenteils eine eigene Entwicklung durchlaufen. Wir haben deshalb auch die Entwicklungen als Selbständige betrachtet, und diese auch in kurzer Form versucht darzustellen. Ein kurzer geschichtlicher Abriß über das Gebiet an der Weil soll vorwegbetrachtet werden.

Im Jahr 772 wird Dorfweil als "Wilene" in einer Urkunde des Klosters Lorsch erwähnt. Die edle Frau Rachilt aus dem Geschlecht der Rupertiner schenkt dem Kloster Güter zu Wilene (auch "Wilina"). Die Rupertiner hatten in dieser Gegend gerodet, wahrscheinlich wegen der Erzvorkommen. Aus den Eintragungen des Klosters ist zu entnehmen, wieviel "Huben" die Erzgrube zu leisten hat. Dorfweil ist also der älteste erwähnte Ort im Usinger Gebiet.
Lahngau, Wetteraugau, Niddagau und Königgau waren die Gaue, die hier im oberen Weiltal zusammenstießen. Aus ihnen entwickelten sich in den folgenden Jahrhunderten (etwa ab 900) die Grafschaften, von denen besonders die Linie Nüring - Eppstein - Falkenstein und die der Grafen von Diez großen Einfluß auf dieses Gebiet gewannen.

Die nächste urkundliche Erwähnung finden wir in einem kirchlichen Dokument des Erzstiftes St. Stephan zu Mainz, einer Schenkungsurkunde des Erzbischofs Bardo von Mainz von 1043. Hierin werden die Grenzen der Pfarrei Schloßborn nach Norden beschrieben: von der Weilquelle in nördlicher Richtung entlang der Weil bis bei Dorfweil zur Mündung des Aubaches und diesem nördlich folgend bis in das Gebiet des Sandplackens.

Um 1100 hatte sich nordwestlich vom Feldberg an der oberen Weil der kleine Herrschaftsbereich der "Hattsteiner" gebildet. Während der Einfluß der Hattsteiner mit dem 15. Jahrhundert nachließ und sie einen Teil ihrer Besitzungen an Reifenberg verloren, konnten die Reifenberger ihre Stellung ausbauen. Sie wurden Besitzer der Burg Hattstein und ihre Herrschaft erstreckte sich über die fünf Hochtaunusgemeinden Ober- und Niederreifenberg, Arnoldshain, Schmitten und Seelenberg.

Nach dem Tod des letzten Reifenbergers 1686 erhielt ein Verwandter, Graf Lothar Franz von Bassenheim, die Herrschaft. 1806 ging die Herrschaft Reifenberg im Herzogtum Nassau-Usingen auf. Bis 1810 bildeten die fünf Dörfer ein eigenes Amt als Herzoglich-Naussisches Gräflich Waldbott-Bassenheimisches Amt mit Sitz in Reifenberg. Danach wurde das Amt Reifenberg aufgelöst und kam zum Amt Usingen.

Die Gemeinde Dorfweil, Brombach und Hunoldstal gehörten seit jeher mehr in den Einflußbereich Usingen. Hier saßen, seit 1195 geschichtlich faßbar, die Herren von Stockheim, ein einflußreiches und begütertes Geschlecht.

Im ausgehenden 14. Jahrhundert bildeten die Orte Rod am Berg, Brombach, Hundstall und Dorfweil das "Stockheimer Obergericht" (zum "Stockheimer Niedergericht" gehörten Merzhausen, Stockheim, Westerfeld, Hausen, Arnsbach, Lauken, Laubach und Gemünden). Kirchlich wurde Dorfweil zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf Initiative der Grafen von Diez-Weilnau dem St. Stephans Stift in Mainz entfremdet und der Kirche Rod am Berg (zu Usingen gehörend) zugeordnet. Die Herren von Stockheim lösten im 14. Jahrhundert die Grafen von Diez-Weilnau ab, deren Einfluß im Usinger Gebiet zurückging. Von Anfang an aber zeigten die Herren von Reifenberg Interesse am Stockheimer Obergericht. Sie sind schließlich zusammen mit Nassau-Usingen Teilhaber am Stockheimer Gericht.

Wo heute der Stockheimer Hof steht (am westl. Ortseingang von Usingen), stand ursprünglich die Stockheimer Burg. Später auch eine Kirche und eine Siedlung. Im 16. Jahrhundert wurde die Burg zerstört. Die Herren von Stockheim starben 1702 aus.

Das älteste noch erhaltene Bauwerk im Hochtaunus ist die Kirche in Arnoldshain. Sie wird erstmals um 1215 urkundlich erwähnt als Mutterkirche von "Arnoldishagin" und "Riffinberg". In einem Glasfenster von 1480 ist heute noch ein gut erhaltenes Reifenberger Wappen zu finden. Zeugen der Hattsteiner sind die Grabplatten aus dem 16. Jahrhundert. Diese beiden Geschlechter des niederen Adels, durch Heirat mehrmals miteinander verschwägert, durch Besitzstreitigkeiten immer wieder verfehdet, waren die Herren des Hochtaunus.

Die Gemeinde Treisberg bildete im Mittelalter mit Finsternthal und Landstein ein eigenes Gericht. Um 1700 kamen Landstein und Treisberg zum Amt Altweilnau. 1667 erfolgte die Zusammenfassung der Ämter Altweilnau und Usingen zum Amt Usingen. 1729 wurde das Amt Stockheim in das von Usingen überführt. 1810 kam Reifenberg hinzu. Das Amt Usingen umfaßte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts alle zum späteren Kreis Usingen gehörenden Orte sowie Ober- und Niederreifenberg.

Am 1. April 1886 entstand unter Aufhebung des Amtes Usingen der Kreis Usingen. Ober- und Niederreifenberg, welche zwischenzeitlich zu dem Amt Königstein gehörten, wurden diesem aus- und Usingen eingegliedert. 1918 gehörten die beiden Orte wieder zu Königstein, welches einen eigenen Kreis bildete. Ihm gehören die beiden Reifenberg an, Seelenberg kam zu Usingen. Am 1. Oktober 1932 wurde der Kreis Usingen aufgelöst und dem Obertaunuskreis zugeführt. Im Juli 1933 wurde der Kreis Usingen erneut eingerichtet. 1945 blieb der Kreis Usingen als eigener Kreis bestehen. Seit 1972 bildet er zusammen mit dem Obertaunuskreis den Hochtaunuskreis mit Bad Homburg als Kreisstadt.